Ein gutes Jahr am Mönkeberger See

Liebe Freund*innen des Mönkeberger Sees,

auch die letzte Klar-Schiff-Aktion des Jahres in der Weidelandschaft war noch einmal ein ganz besonderer Event. Die Weiden an der Zauntrasse hatten sich unter der Schneelast weit heruntergebeugt und auch auf dem Boden lag der Schnee kniehoch. Die Winterstimmung am kleinen See war schon einmalig.

Arbeiten im Schnee
Besonderer Einsatz – Arbeiten im tiefem Schnee

Bei der Zusammenstellung des Jahresberichts, den wir im Januar veröffentlichen, ist uns bewusst geworden, dass im Jahr 2023 ganz schön viel passiert ist. Wir waren bei 18 Exkusionen und Pflegeeinsätzen mit über 200 Menschen im Gebiet unterwegs. Und auch die Arbeiten – gerade in der Weidelandschaft – zeigen erste tolle Ergebnisse: Neuntöter, Gewöhnlicher Teufelsabbiss, Echtes Tausendgüldenkraut, Blasen-Segge, Gewöhnliche Teichsimse und Wiesen-Bocksbart waren zuletzt in den 1980er Jahren im Gebiet gefunden worden und sind jetzt in die Weidelandschaft zurückgekehrt, Flaumhafer, Großer Odermenning, Hundspetersilie, Schnabel-Segge, Geflecktes Johanniskraut, Gewöhnliche Hainsimse und Wiesenprimel wurden vor 2023 gar nicht nachgewiesen. Im Königsmoor war einen Morgen ein Pirol mit seinem schönen Gesang aus den Pappeln zu hören, am See sang im Mai und Juni ein Drosselrohrsänger – beides Erstnachweise im Gebiet. Zwei Flussuferläufer waren von Ende April bis in den Juni auch mit ihren schönen Balzflügen ebenfalls am See zu sehen und in der Weidelandschaft balzte ein Kranichpaar. Ohne die Hilfe der vielen Engagierten, die uns an den Wochendenden bei den Aktionen im Gelände unterstützen, wäre so etwas nicht möglich. Aber auch nicht ohne die vielen Expert*innen, die uns und euch bei den Exkursionen die Arten erst näher bringen und die hauptamtlichen Naturschützer*innen im Landesamt für Umwelt, in den Unteren Naturschutzbehörden und beim NABU sind sehr aktiv und unterstützen uns. Dafür möchten wir uns noch einmal ganz herzlich bedanken und freuen uns auf ein spannendes neues Jahr:

2023 ist zu Ende und viele Menschen haben den Kopf voll mit Plänen, was sie im kommenden Jahr erleben wollen. Einige haben weite Reisen geplant, um spannende Dinge auf dieser Erde zu entdecken. Alle wissen, dass unser Erdklima keinen einzigen Flug in die Ferne mehr verträgt, aber unsere Neugier ist zu groß, als dass wir dieser Verlockung widerstehen könnten. Das Auftreten von Neugier korreliert mit Intelligenz und Kreativität und lässt uns neue Gebiete erschließen, die unserer Art eventuell von Vorteil sein können. Man kann Neugier wecken, und so kann man zum Beispiel Kindern Dinge in der Natur zeigen, die ihre Neugier so fesseln, dass es sie nie wieder loslässt. So geht es uns vom Naturschutzgebiet Mönkeberger See. Glücklich gefesselt für immer.

Sicher seid ihr jetzt neugierig, welches Lebewesen heute vorgestellt wird. Aber wir wissen es nicht! Und dabei würden wir es so gern wissen, um unsere unstillbare Neugier zu befriedigen. Unser gesuchtes Tier frisst nämlich die Gallen der Zitzengallenfliege, Agathomyia wankowiczii. Nie gehört, Zitzengallenfliege? Na, das ist doch die, die auf dem Flachen Lackporling, Ganoderma applanatum, ihre Eier ablegt und dann entstehen dort zitzenartige Gallen. Flacher Lackporling? Na, der, der auf abgestorbenen Pappeln wächst. 1962 haben Weidner und Schremmer herausgefunden, dass die ‘Zitzen’ an der Unterseite des Flachen Lackporlings von der Zitzengallenfliege verursacht werden. 1965 beschrieben dann Irmgard Eisfelder und Kurt Herschel die angefressenen Gallen. Aber noch niemand auf dieser Erde hat offenbar herausgefunden, welches Tier diese Gallen anfrisst. Eine Schnecke? Käfer? Gibt es einen Zitzengallenfliegengallenfresserkäfer?

Also, liebe Besucherinnen und Besucher des Naturschutzgebietes. Wenn ihr abgestorbene Pappeln seht, dann sucht doch bitte nach dem Flachen Lackporling, ob er Zitzen von der Zitzengallenfliege hat. Und wenn ja, dann unbedingt nachsehen, ob da jemand dran knabbert. Denn dann habt ihr ein fast 60-jähriges Geheimnis gelüftet und wir könnten abends wieder ruhig einschlafen. Vielleicht entdeckt ihr den Zitzengallenfliegengallenfresserkäfer und er kann lateinisch nach euch benannt werden!

Bitte fliegt dieses Jahr nicht mit dem Flugzeug in die Ferne, denn es gibt hier so viel Ungeklärtes, was auf euch wartet. Wenn ihr Lust habt, ganz gleich, welchen Alters, mit uns Geheimnisse zu erforschen, so meldet euch. Am besten per E-Mail an NSG-Moenkeberger-See@koenigsmoor.net.

Die Weidelandschaft blüht in der Sonne
Die Weidelandschaft blüht in der Sonne.

Für das kommende Jahr haben wir schon einige Exkusionen geplant. Dieses Jahr zum ersten Mal auch eine Insekten- und eine Schneckenexkursion – vielleicht kommen wir so der Entdeckung des Zitzengallenfliegengallenfressers näher – egal, ob Käfer oder Schnecke? Die Termine finde sich am Ende des Newsletters.

Leiten Sie die Infos gerne an Freund*innen und Bekannte weiter – und geben uns Bescheid, wenn Sie diese nicht mehr erhalten möchten.

Wir wünschen einen Guten Rutsch und ein – hoffentlich auch außerhalb unseres kleinen Naturschutzgebietes – erfreulicheres Jahr 2024

Birger Reibisch
Daniel Körbächer
Martina Ikert
Hartmut Kaiser

 

*Save the date 2024*

Sonntag, 10. März, 8:00 bis ca. 10:00 Uhr
Vogelexkursion für Einsteiger*innen: Unsere heimischen Vögel an Gesang und Gefieder erkennen – mit Birger Reibisch
Sonntag, 28. April 7.30 bis 10:00 Uhr
Grüne Oase: Ornithologische Exkursion durch das Naturschutzgebiet Mönkeberger See – mit Dr. Wilfried Knief
Sonntag, 5. Mai, 10:00 bis 12:00 Uhr
Was blüht denn da? Botanischer Frühlingsspaziergang – mit Dr. Ulrich MierwaldSonntag, 3. Juni, 17:00 bis 19:00 Uhr
Was blüht denn da? Botanischer Feierabendspaziergang – mit Dr. Erik Christensen

Samstag, 8. Juni, 21:00 bis 23:00 Uhr
Nachtleben am Mönkeberger See: Fledermausexkursion – mit Lisa Brucia und Stephan Voulkoudis

Sonntag, 7. Juli, 10:00 bis 13:00 Uhr
Was war denn das? Libellen, Heuschrecken & Co  – Insekten beobachten und
bestimmen – mit José Herrera

Samstag, 13. Juli, 10:00 bis 13:00 Uhr
Klar Schiff I Dem Knöterich zu Leibe rücken – mit dem Betreuerteam

Samstag, 14. September, 10:00 bis 13:00 Uhr
Was kriecht denn da? Die erstaunliche Vielfalt der Schnecken und Muscheln – mit Dr. Vollrath Wiese

Sonntag, 13. Oktober, 10:00 bis 13:00 Uhr
Was blüht denn da nicht? Flechten und Moose – mit Daniel Körbächer

Samstag, 9. November, 10:00 bis 13:00 Uhr
Klar Schiff II Sonne und Luft für die Sonnenanbeter – mit dem Betreuerteam

Treffpunkt für alle Exkursionen außer der Fledermausexkursion:
NABU-Schild am NSG-Eingang Heikendorfer Weg, schräg gegenüber der Bushaltestelle Gänsekrugredder und dem Rohlfsweg // ÖPNV-Linien 14/15

Treffpunkt Fledermausexkursion:
NSG-Zugang Dorfstraße, nahe Hof Fischbeck, Dorfstraße 37–39

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